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25.04.2022

Call for Papers


Call for Papers bis zum 30.04.2022

Tagung „Urbane Sozialformen des Religiösen zwischen Pluralisierung und Regulierung“


21.-23. September 2022, Hamburg


Organisator:innen
Prof. Dr. Thomas Großbölting, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Dr. Karen Körber, Institut für die Geschichte der deutschen Juden
Dr. Anna Körs, Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg


Hintergrund
Religiöse und weltanschauliche Pluralisierung und Stadtgesellschaft wurden lange Zeit als ein Widerspruch betrachtet und ihre Verbindungen blieben in der Forschung weitgehend vernachlässigt. Beide entwickelten sich im Kontext einer sich modernisierenden Gesellschaft, in der die moderne Metropole als „secular space per se“ (Berking, Schwenk & Steets 2018) und städtische Religion als „historisches Phänomen“ (Lanz 2013) galten. Inzwischen hat sich empirisch gezeigt, dass moderne Gesellschaften – und dabei insbesondere Stadtgesellschaften – von der Gleichzeitigkeit mindestens zweier Pluralisierungsprozesse geprägt sind: von der Koexistenz von sowohl verschiedenen religiösen Weltanschauungen als auch von säkularen und religiösen Diskursen und Institutionen (Berger 2015).
Multireligiöse säkulare Stadtgesellschaften haben sich damit – begründet durch die Globalisierung und damit verbundene Migrationsströme sowie durch bestehende unterschiedliche religiöse Traditionen und religiöse Innovationen in lokalen urbanen Kontexten – einerseits zu Entwicklungsräumen hochindividualisierter und hybrider Sozialformen des Religiösen entwickelt. Andererseits sind sie als Laboratorien des Zusammenlebens selbst zum Gegenstand (national-staatlich gerahmter) politischer Regulierung geworden, die sich in zunehmend institutionali-sierten Verfahren und etablierten Formen des Austauschs vollzieht und eine schrittweise Anerkennung religiöser Vielfalt hervorbringt.


Fokus der Tagung
Sowohl die vielfältigen Erscheinungsformen einer neuen urbanen religiösen Diversität als auch ihre Regulierung sind in den letzten Jahren in den Blick unterschiedlicher Disziplinen gerückt und erforscht worden. Auffällig ist allerdings, dass die verschiedenen Forschungsstränge meist unverbunden nebeneinanderstehen. Während die einen die Individualisierung religiöser Praxen und neue fluide Sozialformen des Religiösen thematisieren, untersuchen andere die auf organisierte Formen bezogene Regulierung religiöser Pluralität. In Zusammenschau beider Perspektiven wird deutlich, dass die institutionalisierten Formen religiöser Vielfalt und die damit verbundenen politischen Anerkennungsverfahren selbst erneut Ein- und Ausschlüsse produzieren und oftmals hinter den komplexen Entwicklungen und vielgestaltigen Prozessen religiöser Ver-gemeinschaftungen im urbanen Raum zurückbleiben.
Vor diesem Hintergrund soll der Workshop urbane Sozialformen des Religiösen der letzten Jahrzehnte unter den Perspektiven von Pluralisierung, Glokalisierung und Regulierung thematisieren und dazu dienen, die sich teilweise isoliert entwickelnden Forschungsstränge miteinander in Beziehung zu setzen. Der Fokus richtet sich darauf, die Verbindungen, Wechselwirkungen sowie Spannungsverhältnisse auszuloten, die zwischen beiden Entwicklungen bestehen, und diese auch hinsichtlich normativer Implikationen und Herausforderungen seitens Politik, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft zu reflektieren.


Der Workshop ist in drei Sektionen organisiert: Urbane Sozialformen des Religiösen: (1) Individualisierte Praxen, Interaktionen, (2) Urbane Formen der Regulierung und (3) Dialog, Materialität und Raum.


Sektion 1: Urbane Sozialformen des Religiösen: Individualisierte Praxen, Interaktionen
Sektion 1 befasst sich mit Forschungen zu individueller Religiosität und neuen Sozialformen des Religiösen im urbanen Raum. Zum einen sind dabei Studien von Interesse, die auf stadt-räumliche Prozesse schauen, die durch vornehmlich migrantisch geprägte religiöse Gruppen ausgelöst worden sind und dementsprechend auf die Dynamik religiöser Raumproduktionen im urbanen Kontext in der Folge von Glokalisierungsprozessen schauen. Zum anderen richtet sich das Interesse auf Spielarten alternativer und neuer Spiritualitäten, die sich durch fluide Formen der Zugehörigkeit sowie fließende und vergängliche Sichtbarkeiten auszeichnen und sich weniger räumlich-materiell manifestieren, sondern eher in kaum wahrnehmbaren, aber an öffentlichen Orten stattfindenden Ritualen zur Geltung kommen.


Sektion 2: Urbane Formen der Regulierung
Diese Dynamik befördert Austausch und Kooperation, aber auch Konflikte, womit die Frage der Steuerung religiöser Vielfalt an Bedeutung gewinnt. Sektion 2 lenkt den Blick auf Städte als Orte der Mesoebene zwischen den übergeordneten Entwicklungen und Regulierungen der Makroebene und dem individuellen Handeln auf der Mikroebene und fragt nach institutionellen Entwicklungen, Ansätzen und Bedingungen für das Zusammenleben in multireligiösen säkularen Stadtgesellschaften. Damit sind Forschungen von Interesse, die sich damit befassen, wie und mit welchen Intentionen und Wirkungen religiöse und weltanschauliche Vielfalt im urbanen Raum von Religionsgemeinschaften, Staat, Zivilgesellschaft in unterschiedlichen Akteurskonstellationen und -kooperationen gestaltet, geregelt und reguliert wird.


Sektion 3: Dialog, Raum und Materialität
Die Regulierung religiöser Diversität im stadt- und raumbezogenen Handlungsfeld zeigt sich in besonderer Weise anhand von mitunter konflikthaften Aushandlungsprozessen zwischen verschiedenen Akteursgruppen um die Frage der (Um-)Gestaltung des Räumlich-Materiellen im urbanen Raum. Sektion 3 nimmt daher die Transformation religiöser Räume in den Blick und thematisiert die verschiedenen Raumtypen – von Kirchen (-umnutzungen), Moscheen und Synagogen bis zu interreligiösen Umnutzungen und multireligiösen Sakralbauten – in ihrem Verhältnis zu multireligiösen säkularen Stadtgesellschaften.


Hinweise zu Abstracts
Erwünscht sind aussagekräftige Abstracts (300-500 Wörter) zu Beiträgen zu einem oder mehreren dieser Themen bis zum 30.04.2022. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.
Bitte senden Sie das Abstract an: Anne Kunhardt (anne.kunhardt@gmx.de) und Cc an:
grossboelting@zeitgeschichte-hamburg.de, karen.koerber@igdj-hh.de,
anna.koers@uni-hamburg.de.

Kosten
Die für die Teilnahme anfallenden Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten werden von der Universität Hamburg übernommen.
Die Tagung wird mit Förderung durch den Ideen- und Risikofonds der Universität Hamburg in Kooperation der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) und der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg durchgeführt.

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